„Du kommst doch bald durcheinander mit deinen Männern, nicht?“ – eine Frage, mit der ich mich tatsächlich schon häufiger als nur ein Mal konfrontiert sah, ja wirklich. Ist ja auch ein berechtigter Gedankengang bei diesem enormen Verschleiß. Drei Männer in sechs Jahren, heidenei, da wird natürlich der Hund in der Pfanne verrückt. Selbstverständlich würden meine Freundinnen mich so etwas trotzdem nie fragen, die wissen ja, dass ich manchmal unleugbar durcheinander komme. Mit den Namen zum Beispiel. Wie meine Oma, die mich meistens Maxi-Nike-Marie-Ellen-Ma-ehm-Nike nennt. Das ist also gar nicht das Spannende an dieser Erkundigung. Viel interessanter scheint mir die versteckte Anklage, die da im Subtext mitschwingt. Und die möglicherweise gar nicht existent wäre, hätte ich in den vergangenen Jahren nur gedated und zwischendurch nicht noch ein Kind zur Welt gebracht.
Dieses Kind jedenfalls ist der beste Mensch in meinem Leben. Und ganz eindeutig der mit den wenigsten Vorurteilen. Das heißt nicht, dass er, der Sohn seines Papas, nicht hin und wieder nachhorcht, weshalb ebenjener denn eigentlich eine eigene coole Wohnung hat, gleich um die Ecke. Man könnte sich ja auch eine teilen, oder? Ich lüge dann nicht, sondern erkläre, dass auch Erwachsene manchmal Banane sind, aber auf jeden Fall ebenso Träume haben und dass sie wegen dieser Träume manchmal eben auseinander ziehen müssen – etwa weil beide gern noch ganz andere Abenteuer erleben möchten und dass genau das gelegentlich wirklich nicht gemeinsam funktioniere. Nach weiteren möglichst liebevollen und stets optimistischen Erläuterungen, folgen natürlich auch Umarmungen und die wichtige Nachfrage, wie es dem Kind denn selbst damit gehe. Das ist, glaube ich ganz wichtig, immer wieder. So kann der, der ja überhaupt nichts für seinen Elternsalat kann, immer mitbestimmen. Und sich eventuelle Sorgen nehmen lassen. So wie neulich, als Lio nach einer Dokumentation über den Mars kurz in Sorge war, Papa könne demnächst ein Weltraum-Abenteuer erleben wollen. Nein, habe ich dann gesagt, der Papa macht Kunst, keine Astrophysik. Und: Ich schwöre zehn Ziegen darauf, dass wir, bis du groß bist und eigene Abenteuer erleben willst, immer in deiner Nähe bleiben werden.
Nun habe ich natürlich auch das Schweineglück mit einem schweineherzensguten Mann ein Kind gemacht zu haben. Das ist krasser als ein Ehering, finde ich. Den ich zum Glück auch nicht mit dem darauffolgenden Mann ausgetauscht habe, der nun wieder nur ein Kumpel ist. Verstehen auch viele nicht. Wie man mit einem Biere trinken kann, der so ein Schurke war. Indem man lernt, zu verzeihen, sage ich dann. Und dass Freundschaft oft wichtiger ist als das Ego. Und auch, weil es eben das Kind gibt, das findet, dieser Kumpel seiner Mama sei nunmal auch sein eigener allerbester Kumpel, weil er zweifelsohne die höchsten Hochseilbahnen von allen bauen kann. Aber was, wenn da jetzt noch ein richtiger Dritter hinzu kommt? Dann ist das so. Und im besten Fall sogar eine superwunderschöne Bereicherung. Weil jeder neue Mensch neue Impulse mitbringt. Talente und herrliche Eigenarten, an denen es mir selbst möglicherweise mangelt.
Ich weiß schon, dass viele Leute dennoch munter meinen, das Ausleben des eigenen romantischen Daseins sei unverantwortlich und egoistisch. Man könnte ja auch warten, bis das Kind zum Studieren ans andere Ende der Welt gezogen ist. Viel habe ich dem nicht entgegenzusetzen, außer: Warum denn? Es gibt ja so viel zu verpassen. Und: Hallo, ich bin auch nur ein Mensch. Ein eigenständiger wohlgemerkt, und einer, der noch an sowas wie Liebe glaubt, obwohl genau die schon ein paar Mal in die Hose gegangen ist. Allen, denen es da draußen ähnlich geht, kann ich deshalb nur raten, die Ohren zuzuklappen, wenn es wieder jemand besser wissen will. Es gibt nämlich keine Bedienungsanleitung für eine glückliche Familie. Trotzdem weiß ich: Wir sind so eine. Der Papa, das Kind und ich als großer Baum mit tiefen Wurzeln in der Mitte und vielen bunten Blumen drum herum, die zwar kommen und manchmal wieder gehen, aber immer etwas Schönes hinterlassen. Wenn man es nur richtig und respektvoll und vor allen Dingen kindgerecht-ehrlich anstellt. Kleine Menschen haben nämlich große Hirne. Die kapieren viel mehr, als wir zuweilen für möglich halten. Und merken, wenn man flunkert. Aber auch, wenn man glücklich ist. Weshalb man sich glaube ich stets viel Mühe geben sollte, genau das zu sein oder werden. Wie auch immer. Zwar, das ist ja klar, mit Rücksicht auf die Gefühle aller Beteiligten, aber bitte endlich ohne Angst vor dem Gerede anderer – das bezüglich solcher Liebesangelegenheiten wohl noch immer am häufigsten Frauen und Mütter trifft. Vielleicht, weil das weibliche Beziehungsleben ohnehin in etwa so gern problematisiert wird wie die weibliche Sexualität. Ich mache da jetzt einfach nicht mehr. Dann komme ich eben hin und wieder durcheinander mit meinen gesammelten Männern, sei’s drum. Aber nicht, weil es zu viele sind – sondern weil das Leben, das da noch mit dran hängt, so echt und erstaunlich und gut ist, dass ich davon manchmal ganz müde werde.